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A tense political scene featuring Austria's UN Security Council win, Germany's disappointment, and Putin's smirk.

Danke, Wladimir?

Deutschland ist sauer. Österreich jubelt. Und irgendwo in Moskau soll angeblich Wladimir Putin die Fäden gezogen haben.

Zumindest wenn man den Erklärungen glaubt, die nach der Wahl der nichtständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates aus Berlin zu hören waren.

Deutschland, die größte Volkswirtschaft Europas, diplomatische Schwergewichtsnation und einer der größten Geldgeber internationaler Organisationen, scheiterte überraschend. Österreich hingegen erhielt den begehrten Sitz. Die Freude in Wien war entsprechend groß. Fotos von jubelnden Diplomaten gingen um die Welt. Man hatte gewonnen.

Doch kaum war die Wahl vorbei, begann in Deutschland die Ursachenforschung.

Außenminister Johann Wadephul erklärte, Russland habe aktiv Stimmung gegen Deutschland gemacht. Moskau habe versucht, die deutsche Kandidatur zu verhindern.

Das ist eine bemerkenswerte Aussage.

Denn wenn man sie ernst nimmt, ergeben sich daraus interessante Fragen.

Deutschland verlor. Österreich gewann.

Wenn Russland tatsächlich maßgeblich dazu beigetragen hat, Deutschland aus dem Rennen zu werfen, wer profitiert dann von dieser russischen Einflussnahme?

Richtig.

Österreich.

An dieser Stelle sollte man vielleicht vorsichtshalber erwähnen, dass es sich um eine satirische Überlegung handelt. Sonst steht morgen womöglich ein Faktenchecker vor der Tür und erklärt, dass Wien nicht heimlich von Putin regiert wird.

Natürlich hat Österreich den Sitz nicht deshalb gewonnen, weil irgendwo im Kreml jemand einen Hebel umgelegt hat.

Die österreichische Kandidatur wurde über Jahre vorbereitet. Diplomaten reisten um die Welt, führten Gespräche, knüpften Kontakte und sammelten Unterstützung. Das Außenministerium verweist zu Recht auf eine langfristige und professionelle Kampagne.

So funktionieren internationale Wahlen.

Normalerweise.

Aber die Erklärung aus Berlin hat ihren eigenen Charme.

Denn sie folgt einem Muster, das mittlerweile fast schon reflexartig geworden ist.

Gewinnt man eine Wahl, war es die eigene Brillanz.

Verliert man eine Wahl, war es Putin.

Man könnte fast glauben, Russland verfüge über eine diplomatische Wunderwaffe, die ausschließlich gegen deutsche Interessen eingesetzt wird.

Steigende Energiepreise? Putin.

Politische Spannungen? Putin.

Wahl verloren? Natürlich Putin.

Wenn morgen in Berlin ein Fahrrad umfällt, wird vermutlich eine Expertenrunde zusammentreten, um russische Einflussoperationen nicht auszuschließen.

Dabei gibt es für Deutschlands Niederlage auch eine viel banalere Erklärung.

Vielleicht wollten zahlreiche Staaten Deutschland schlicht nicht wählen.

Vielleicht sehen viele Länder die deutsche Außenpolitik kritischer als man in Berlin wahrhaben möchte.

Vielleicht hat Österreich bessere Arbeit geleistet.

Vielleicht war Österreich für viele Staaten einfach die angenehmere Wahl.

Das sind keine spektakulären Erklärungen. Sie erzeugen keine Schlagzeilen. Sie eignen sich nicht für dramatische Pressekonferenzen.

Aber sie haben einen Vorteil:

Sie benötigen keine Verschwörung und keinen Kreml.

Die eigentliche Ironie besteht darin, dass die österreichische Regierung ihren Erfolg vermutlich mit harter diplomatischer Arbeit erklären möchte, während deutsche Politiker unfreiwillig eine ganz andere Geschichte erzählen.

Nämlich die Geschichte, dass Österreich am Ende deshalb gewann, weil Russland Deutschland zu Fall brachte.

Wenn das stimmt, müsste Außenministerin Beate Meinl-Reisinger eigentlich einen Blumenstrauß nach Moskau schicken.

Nicht aus Dankbarkeit.

Sondern aus Höflichkeit.

Denn wenn jemand öffentlich behauptet, ein anderer habe einem indirekt zum Erfolg verholfen, gehört sich zumindest ein kurzes „Vergelt’s Gott“.

Die realistische Version lautet freilich anders:

Österreich gewann, weil Österreich jahrelang für diesen Sitz gearbeitet hat.

Die satirische Version ist jedoch deutlich unterhaltsamer.

Und manchmal verrät eine Ausrede mehr über denjenigen, der sie vorbringt, als über denjenigen, dem sie die Schuld gibt.

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