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Chess pieces and climate data symbolize debate on climate strategy and manipulation.

Der seltsame Zeitpunkt:

Warum die RCP8.5-Debatte für Trumps Aufhebung des Endangerment Finding wie gerufen kommt

In der Politik gibt es ein altes Sprichwort: Zufälle gibt es – aber erstaunlich selten zur rechten Zeit.

Genau deshalb lohnt sich ein Blick auf zwei Entwicklungen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Auf der einen Seite steht die Entscheidung der Trump-Regierung, das sogenannte Endangerment Finding der EPA unter Obama anzugreifen, jene Feststellung aus dem Jahr 2009, die Kohlendioxid und andere Treibhausgase als Gefahr für Gesundheit und Wohlfahrt einstuft und damit die juristische Grundlage für einen Großteil der amerikanischen und in weiterer Folge, der EU Klimaregulierungen bildet.

Auf der anderen Seite flammt plötzlich die Debatte der Kritik um RCP8.5 wieder auf, jenes Klimaszenario, das lange Zeit als besonders extremes Zukunftsbild mit sehr hohen Emissionen galt.


Die Frage drängt sich auf: Ist das wirklich nur ein Zufall?

Die offizielle Geschichte

Offiziell handelt es sich um zwei getrennte Vorgänge.


Die EPA argumentiert, das Endangerment Finding müsse nach über 15 Jahren neu bewertet werden. Kritiker halten dagegen, dass die wissenschaftliche Grundlage weiterhin tragfähig sei und ein Widerruf vor Gericht kaum Bestand haben werde.

Die Diskussion um RCP8.5 wiederum existiert bereits seit Jahren. Zahlreiche Wissenschaftler haben kritisiert, dass das Szenario in Medien, Politik und Teilen der Forschung teilweise wie ein wahrscheinlicher Entwicklungspfad behandelt wurde, obwohl es ursprünglich eher als Worst-Case-Szenario gedacht war.


Soweit die Faktenlage.

Die politische Perspektive

Doch Politik funktioniert nicht nur über Fakten. Sie funktioniert über Narrative.

Wer das Endangerment Finding zu Fall bringen will, steht vor einem Problem: Die angeblich wissenschaftliche Literatur zum Klimawandel ist riesig. Es reicht nicht aus, einzelne Temperaturreihen oder Studien anzugreifen.

Und genau hier wird die RCP8.5-Debatte interessant.

Denn wenn sich vermitteln lässt, dass Politik, Medien und Behörden über Jahre hinweg mit einem übertriebenen Szenario gearbeitet haben, entsteht automatisch die nächste Frage:

Wenn bei den Szenarien übertrieben wurde, wo wurde noch übertrieben?

Ob diese Schlussfolgerung wissenschaftlich gerechtfertigt ist, spielt dabei fast schon eine untergeordnete Rolle. Politisch ist sie äußerst wirksam.

Der Verdacht

An dieser Stelle beginnt allerdings das Reich der Vermutungen.


Es gibt derzeit keine öffentlich bekannten Belege dafür, dass die aktuelle Aufmerksamkeit für die RCP8.5-Kritik gezielt organisiert oder sogar “durchgestochen” wurde.

Dennoch erscheint der Zeitpunkt bemerkenswert.

Ausgerechnet in dem Moment, in dem die Trump-Regierung versucht, die rechtliche Grundlage der amerikanischen Klimapolitik anzugreifen, gewinnt eine Debatte an Sichtbarkeit, die augezeigt, dass zentrale Annahmen der Klimapolitik überzeichnet gewesen sind.

Das muss keine koordinierte Aktion sein.

Es könnte ebenso gut sein, dass politische Akteure lediglich eine bereits vorhandene wissenschaftliche Diskussion aufgreifen, weil sie hervorragend zur eigenen Argumentation passt.

In der Politik genügt oft schon das.

Die eigentliche Schlacht

Die spannende Frage lautet ohnehin nicht, ob einzelne Klimamodelle falsch waren.

Die eigentliche Schlacht wird vor Gericht und in der öffentlichen Meinung ausgetragen.

Dort wird es nicht um die Existenz des Klimawandels gehen.

Es wird um Vertrauen gehen.

Vertrauen in Behörden.

Vertrauen in Experten.

Vertrauen in Prognosen.

Und genau deshalb besitzt die RCP8.5-Debatte weit größere politische Bedeutung, als ihre technischen Details vermuten lassen.

Wer zeigen kann, dass ein extremes Szenario über Jahre hinweg als wahrscheinliche Zukunft dargestellt wurde, gewinnt ein starkes rhetorisches Argument gegen Regulierungen, die auf denselben Institutionen beruhen.

Fazit

Ob zwischen der Wiederbelebung der RCP8.5-Debatte und dem Angriff auf das Endangerment Finding ein direkter Zusammenhang besteht, ist bislang nicht belegt.

Dass beide Entwicklungen jedoch dieselbe politische Stoßrichtung begünstigen, ist kaum zu übersehen.

Vielleicht handelt es sich tatsächlich um einen Zufall.

Vielleicht aber auch um das, was in Washington häufig als Zufall bezeichnet wird: den perfekten Zeitpunkt.

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