Das beginnt bereits beim Begriff.
Die EU-Verträge kennen kein „assoziiertes Mitglied“ der Europäischen Union. Es gibt Assoziierungsabkommen mit Drittstaaten, aber keinen entsprechenden Mitgliedsstatus.
Was von der Leyen also vorgeschlagen hat, ist kein bestehendes Instrument, das man einfach anwenden könnte. Es müsste erst geklärt werden, was eine solche „assoziierte Mitgliedschaft“ überhaupt bedeutet und welche Rechte und Pflichten damit verbunden wären.
Genau hier wird es politisch interessant.
Denn offenbar wussten selbst innerhalb der EU nicht alle Verantwortlichen, was von der Leyen da ankündigen würde.
Nach übereinstimmenden Berichten von europäischen Diplomaten waren die Mitgliedstaaten nicht vorab über den Vorschlag informiert. Politico berichtet unter Berufung auf vier Diplomaten, dass die Regierungen der Mitgliedstaaten von dem Vorstoß überrascht wurden. Auch ein mit Erweiterungsfragen befasster EU-Beamter soll erklärt haben, sein Team habe nichts davon gewusst. (Informat)
Ein weiterer europäischer Diplomat bezeichnete den Vorschlag gegenüber Reuters sogar als eine Initiative, die zuvor nie mit den Mitgliedstaaten diskutiert worden sei. (Boursorama)
Damit stellt sich eine ziemlich grundsätzliche Frage:
Mit welchem Mandat macht die Präsidentin der EU-Kommission ein Angebot, dessen politische und rechtliche Konsequenzen noch gar nicht geklärt sind?
Natürlich ist damit noch kein Vertrag geschlossen.
Die Kommission selbst stellt inzwischen klar, dass der Vorschlag konkretisiert werden müsse und anschließend die Zustimmung der Mitgliedstaaten erforderlich sei. (Boursorama)
Aber politisch ist ein solcher Vorstoß etwas anderes als eine interne Überlegung.
Von der Leyen hat das Angebot öffentlich ausgesprochen und Kanada hat es gehört.